Polen 2025 – Einleitung

Der Jahresurlaub ohne Motorrad? Ja, weil Polen und ja weil Minicamper vorhanden. Ich bin zweimal mit dem Motorrad quer durch Polen bis hoch zur Ostseee gefahren und das ist schlicht und ergreifend fahrtechnisch mehr wie langweilig.

Andererseits hat Polen derart viel zu bieten, dass sich der Minicamper anbot um in Ruhe schöne Orte kennenzulernen. Und halt auch die spontane Seite ausleben zu können, wie sie sonst das Motorradfahren mit sich bringt.
Genauso bin ich nicht festgelegt, ob ich nun „frei“ stehe, auf den Campingplatz gehe oder mir ein Hotel nehme.

Wie so oft hatte ich die erste Woche vorgeplant um reinzufinden. Der Rest danach ergibt sich – Ziele sind genug vorhanden. Reisedauer unbekannt, wenn ich satt bin, fahre ich nach Hause.

Erste Übernachtung auf der Straße irgendwo bei Chemnitz – Empfehlung von Park4Night:

Der zweite Fahrtag hatte als Ziel das Autokemp Adrsbach. Der Campingplatz liegt direkt am Grenzübergang CZ/PL. Übernachtung für eine Person mit MiniVan und Strom 20 €. Bier vom Fass 0,5 = 2 €. Einfach, aber sauber und ruhig und sehr nette Platzbetreiber. Verständigung via Google Translate.

Tag 3 und erstes Highlight: Die Adersbacher Felsenstadt

Es hat echt Mühe und Geduld gekostet, hier keine Menschen mitzufotografieren. Massentourismus pur! Ist aber auch klar bei so einem Naturschauspiel.
Der Rundweg ist ca. 3,5 km und man muss auch so einige steile Treppen hoch und runter.
Danach war klar: Was leckeres zu Essen muss her. Aber nicht in Adersbach. Zu teuer dank Massentourismus. Also hoch zum Kemp, Duschen und rüber nach Polen. War ein bisschen Gurkerei, aber die Google-Rezensionen stimmten: Eine Gaststätte am Sportplatz, Riesen-Portion und super lecker. Wo geht man bitte in D für ein Hauptgericht samt Getränk für 10 € nach Hause???

Zurück auf dem Kemp erst mal das Chaos im Bus sortiert, ein Bier geholt und dann gemütlich mit vollem Bauch hingefläzt ne Runde lesen. Wurde dann als die Sonne (!) wegging, ziemlich kühl und ich habe die Standheizung angemacht. Bin die Nacht sogar wachgeworden, weil mir kalt wurde. Auf Temperaturen von 10 Grad im August war ich nicht eingestellt.

Tag 4: Zamek Książ und weiter nach Wroclaw

Mit der Führung durch die unterirdischen Gänge von Zamek Książ oder zu deutsch Schloß Fürstenstein und dem weitläufigen Rundgang durch das Schloss war ich gut 3 Stunden unterwegs.

Entsprechend satt von all den Eindrücken war ich, als ich dann in Wroclaw aka Breslau im Hotel eingecheckt habe. Mehr wie lecker was Essen und in Ruhe Bilder sortieren wollte ich für diesen Abend nicht mehr.
Da es später regnen sollte, auf Google Maps geschaut, was es so in der Nähe gibt. Meine Wahl fiel auf eine Pierogarnia. Kann man sich vorstellen wie eine bessere Döner- oder Pizzabude mit Restaurantcharakter bei uns, aber halt mit der wirklich leckeren polnischen frisch hergestellten Spezialität Pirogie. Also Teigtaschen mit allen nur erdenklichen Füllungen zur Auswahl.
Ergebnis: Wieder für 10 € leckerst samt Pivo gespeist. War aber auch komplett abseits vom Schuss. In der Altstadt in den Touristenrestaurants zahlt man definitiv mehr.
Leider fing es danach früher wie angesagt an zu regnen und ich bin erst mal auf ein Bier in die nächste Kneipe geflüchtet. Gerettet hat mich dann Uber, da ich ja noch keine Sloty hatte und die Zahlung hier bargeldlos erfolgt.

Tag 5: Wroclaw / Breslau

Ist das eine schöne Stadt! Der Marktplatz, das Rathaus, die alten Bürgerhäuser, die Kirchen, die Oder mit ihren vielen Brücken. Ich bin den ganzen ersten Vormittag nur rumgeschlendert und habe gestaunt. Das Panoramabild ist von der „Brücke der Büßerinnen“ entstanden, zuvor ging es aber 247 Stufen hoch.

Danach war es gegen 13 Uhr und ich bin in die Markthalle in eine Bar mleczny gegangen. Ist eine urpolnische Einrichtung, quasi ein Schnellrestaurant, in dem Hausmannskost zu günstigen Preisen ausgegeben wird. Für mich gab es einen deftigen Teller Bigos (Sauerkrauteintopf mit verschiedenen Wurst- und Fleischsorten) zu 5 €.

Gegen 15 Uhr – als die Füße brannten – bin ich dann ins Hotel um in den nahegelegen Supermärkten noch kleinere Besorgungen zu erledigen.

Was sich als wirklich hilfreich erwiesen hat, ist das E-Bike. Das Hotel ist doch knapp 3 km von der Altstadt entfernt und mein Auto steht noch etwas weiter weg. Parken in Wroclaw kostet 10 bis 20 Euro für ein Tagesticket, aber in Parkhäusern, in die mein Bus nicht passt. Auf der Straße gibt es Stundentickets. Es lohnt sich also, auf der Karte der kostenpflichtigen Parkzonen nachzuschauen, ab wo es kostenlos wird.

Nachdem ich des Nachmittags keine Lust mehr hatte, mich per pedes zu bewegen, bin ich mit dem E-Bike in die Stadt. Es gibt gute Radwege, Rad-Ampeln und die meisten Autofahrer sind auch wirklich rücksichtsvoll.
Dafür knallen die Essenslieferanten auf ihren E-Bikes wie die gesengte Sau durch die Stadt. 25 km/h? Never… Und Handgas bis Endgeschwindigkeit haben die eh.

 

 

 

 

 

 

Gut – ich also des Abends wieder mit dem Rad in die Stadt in ein Restaurant mit polnischer Küche mit guten Renzensionen. Die Suppe im Brot wollte ich schon lange mal wieder essen. Meine Wahl fiel auf eine ausgezeichnete Gulasch-Suppe.

Mit einsetzender Dämmerung ging es weiter zum nächsten sehenswerten Spot: Der Neon Side Galerie. Dort findet man gesammelt alte Leuchtreklamen an dem Ort, wo früher das Unternehmen Reklama eben diese produziert hat.

Tag 6: Wroclaw / Breslau

Heute vormittag war Entspannen angesagt und zum Waschsalon musste ich auch. Bei den Motorradtouren war jeden Tag Handwäsche angesagt – jetzt halt einmal die Woche in den Waschsalon. Und wenn man schon mal in so einer Stadt ist, nimmt man das auch wahr.

Anschließend mal wieder in eine Bar mleczny zum Mittagessen (erstes Bild in der folgenden Galerie). Komplett anders organisiert wie gestern in der Markthalle. Dort hatte es Schiefertafeln mit Kreideschrift in polnisch, hier gab es große Touchdisplays, die sich auf Englisch umstellen ließen. Hatte man seine Wahl getroffen, konnte direkt mit Karte bezahlt werden und es gab einen Bon mit einer Nummer. Diese Nummer erschien dann, wenn das Essen fertig war, auf den überall aushängenden Bildschirmen, wurde auch ausgerufen und man konnte sein Essen abholen. Ich hatte ungarischen Gulasch mit verschiedenen Gemüsen auf einem Kartoffelpuffer, Salat und O-Saft zu 8,35 €. Da kann man nicht meckern.

Zufrieden die gastliche Stätte verlassen und gegenüber eine Kirche und ein schönes Glaspanorama entdeckt:

Anschließend noch eine nette Runde am Wasser das Leben genossen und dann ab nach Nerdistan: Wroclaw Museum Games & Computers Of The Past Era

Ich hab es mir natürlich nicht nehmen lassen, auf einem 486er mit VGA-Grafik ne kleine Runde Wolfenstein 3D zu spielen. Meine Güte, was habe ich mit diesem Schund früher Stunden verbracht 😉

Tag 7: Zamek Moszna und Jasna Góra

Eigentlich hatte ich ja Lust nach Poznań (Posen) zu fahren, aber das hätte zum einen keine sinnvolle Route ergeben und ich würde ein paar Sehenswürdigkeiten verpassen.

Also erstmal 130 km zum Schloss Moschen und danach noch 123 km zum Kloster und Pilgerheiligtum Jasna Góra in Częstochowa.

Schloss Moschen:

Danach ging es weiter nach Jasna Góra. Wikipedia sagt: „Jasna Góra ist einer der bedeutendsten Wallfahrtsorte der römisch-katholischen Kirche inmitten der Stadt Częstochowa. Hier befindet sich im Paulinerkloster mit der Ikone der Schwarzen Madonna das größte Marienheiligtum Mitteleuropas, das zugleich das wertvollste Nationalheiligtum der Polen ist und jährlich von drei bis vier Millionen Menschen besucht wird.“ 

Und die Bedeutung merkt man alleine schon am Umfang der Vorbereitungen für die Besuchermassen. Es gibt einen wirklich riesigen Parkplatz unterteilt für Busse, PKW und sogar Camper. Für letztere gibt es extra Stellplätze mit Ver- und Entsorgung sowie Strom. Toiletten und Duschen für alle kommen hinzu. Ich habe 5 € für´s Parken samt Übernachtung und 1,20 € für die Dusche bezahlt.

Das Kloster an sich und die Pilger fassen einen auch als Nicht-Gläubigen an. Dieser Ort ist etwas Besonderes – und das spürt man.

Tag 8 und 9: Kraków / Krakau

Ich war ja bereits 2017 in Krakau und hatte mir die Stadt ausführlich angesehen. Ein Glück. Ja klar, was habe ich erwartet für August, Sommerferien und Bombenwetter: Die Stadt war überlaufen, nein komplett überlaufen. Ein einziger Ameisenhaufen von Menschen. Nix für mich. Nach langer Wartezeit an einer Bar mleczny – offensichtlich können oder wollen viele Polen sich nicht die Preise in den Lokalen an den Hot-Spots leisten (zumal das Essen dort bislang immer gut war) – habe ich mich zurückgezogen und mir einen ruhigen Nachmittag an der Weichsel gegönnt.

Platz für die Nacht war von Park4Night am Rande eines Parks in einem Außenviertel. Keine 10 Minuten mit dem Rad in die Stadt – perfekt.

So bin ich dann Sonntag morgen um 8 Uhr auf den Marktplatz gefahren, um diesen wirklich einmaligen Platz nochmal genießen zu können. Ein wenig Regen konnte mich dabei nicht wirklich stören.

Anschließend ab auf die Autobahn nach Warschau, wo ich mir ein Zimmer in einem Guesthouse für 2 Nächte gebucht hatte. Ich brauchte mal wieder Strom und WLAN. Zudem wären die Campingplätze noch weiter außerhalb gewesen – und für 10 € mehr pro Nacht eine feste Unterkunft ist ja nun kein Thema.

Tag 10: Warszawa / Warschau

Warschau ist schon ein bisschen anders – vieles wurde im Krieg zerstört, wieder- oder neu aufgebaut. Skylines und historische Kulisse mischen sich.
Erst mal 8 km mit dem Rad in die Stadt – klasse Radwege und Parks, mittags wieder in eine Bar mleczny. Und danach gab es ein echt polnisches Softeis. Findet man mittlerweile auch nicht mehr überall.

Tag 11 – 14: Mazury / Masuren

Nach dem ganzen Städte- und Sehenswürdigkeiten-Hopping verbunden mit viel Fahrerei brauchte ich etwas Ruhe. Über Maps den Campingplatz Nove Guty 60 am Śniardwy / Spirdingsee rausgesucht: Volltreffer. Kleiner, nicht parzellierter Platz mit deutschsprachiger Chefin. Eigener Strandabschnitt, alles tip-top und sauber.
Im Prinzip habe ich die 4 Tage nix anderes gemacht, als mich morgens in den Schatten an den See zu setzen und zu lesen. Mittags dann mit dem Rad in eine der umliegenden Gaststätten lecker polnisch essen, zurück, wieder lesen und abends dann den wunderschönen Sonnenuntergang gucken. Und ab und an was mit den deutschen Campern quatschen. Und zwischendurch mal die Füße in den See stellen. Bloß kein Stress 😉

Gebucht hatte ich bis Samstag, da der Freitag in Polen Feiertag ist. Und das machte sich deutlich bemerkbar. Klar: Langes Wochenende und alles macht sich auf. Spaß hat das dann auf dem Platz leider keinen mehr gemacht. Einfach zu eng und absolute Überbelegung. Ich freute mich denn auch, dass es Samstag früh weiterging und es war auch genug mit der Rumgammelei.

Tag 15: Gdańsk / Danzig

Ich bin ziemlich früh losgefahren, um so gegen die Mittagszeit in Danzig anzukommen. Netter kostenloser Stellplatz via Park4Night war auch gefunden, also erst mal Mittagessen. Meine Wahl fiel auf die Bar Osiemdziesiątka. Eine ehemaliges Hafenarbeiterlokal mit vollem Ostblock-Charme. Leckere, günstige Hausmannskost wie ich es liebe.

Danach auf in die Altstadt:

Wie man auf den Bildern sieht, hatten ob des langen Wochenendes auch noch für mich zu viele andere Menschen diesen Wunsch. Nachdem ich mich einmal da durchgekämpft hatte und man sich nix in Ruhe anschauen konnte, stand fest: Weg hier, und zwar schnell.
Gegen 15 Uhr bin ich dann durchgestartet Richtung Ziel des nächsten Tages. Hatte einen Tip für einen ruhigen Waldparkplatz in 200 km Entfernung. Nach ewig Stau auf der Autobahn gegen 19 Uhr angekommen. War aber auch andererseits gut so, denn so würde es morgen erheblich stressfreier werden.

Tag 16: Sanktuarium w Licheniu Licheń Stary

Die Basilika der Muttergottes von Licheń ist eine Wallfahrtskirche. Das Gotteshaus ist das größte in Polen und die achtgrößte Kirche Europas. Ich stand vor diesem Prachtbau und war erst einmal komplett überwältig ob der schieren Größe.

Danach ging es weiter nach Posen ins vorgebuchte Hotel etwas außerhalb Nähe A2. Ich wollte für die letzten 3 Nächte einfach nochmal eine feste Unterkunft, ein schönes Bad und mich morgens an den gedeckten Tisch setzen.

Tag 17 + 18: Poznań / Posen

Am Vorabend hatte ich auf Maps fußläufig eine Aussichtsplattform und eine zerfallene Fabrik mit Streetart entdeckt. Also kleines Nachmittagsprogramm (noch am Tag 16) gestartet. Die Aussichtsplattform mit toller Aussicht am See umgab ein Kinderspielplatz, Eisbude und ein kleines Naherholungsgebiet.

Keine 150 Meter weiter sah es dann so aus – in Deutschland absolut undenkbar. Die lieben Helikopter-Eltern würden vollkommen am Rad drehen. Nichts abgesperrt und der Spot ist teilweise auch wirklich gefährlich. Ich habe auch genau hingesehen wo ich mich hinbegebe.

Am Tag 17 war ich irgendwie platt und bin erst spät in die Stadt aufgebrochen. Ohne Kamera, da es bedeckt war. Die Vorhersage für morgen ist besser, dann hole die Fotos nach.
Radfahren in Posen ist nicht ganz so schön wie in Breslau oder Warschau. In der Innenstadt ja, aber die Außenbezirke sind etwas nervig.
Also den Tag verbimmelt, rumgelümmelt und ein bisschen Sightseeing gemacht. Ne Kleinigkeit polnisches Fastfood gegessen: Selbstgemachte und mit Speck angebratene Nudeln mit Sauerkraut. Gegen 17 Uhr wieder im Hotel gewesen. Dessen Küche soll zwar gut sein, aber eher nach dem Motto: Teller halb voll, dafür doppelt so teuer. Nein danke.
Auf Maps tatsächlich im Außenbezirk ums Eck ein polnisches Schnellrestaurant gefunden, nix wie hin. Wieder Volltreffer: Günstig, herzhaft, reichlich. Warum nur gibt es sowas in Deutschland nicht? Kantinenfraß kannste in aller Regel vergessen und die Frittenbuden bieten nur noch Convenience Food, Fertigsoßen und Schnitzel aus der Fritteuse. Industriefraß. Aber selbstgemachte Hausmannskost mit echtem Kartoffelpüree oder Klößen – nix Tüte.  Pirogi, frisch gerollt, gefüllt und gekocht – nix Ravioli. Fehlanzeige. Ich habe den ganzen Urlaub nur polnisch gegessen – Döner, Pizza und Konsorten gibt es zwar auch in Polen. Aber wozu, wenn man hier so gut, günstig und wirklich lecker lokal essen kann.

So – jetzt aber mal aus Tag 18 Bilder von der Altstadt, dem großartigen Marktplatz und prächtigen Kirchen. Als Mittagssnack gab es diesesmal süße Pirogi: 5 x gefüllt mit Frischkäse und Blaubeeren und 5 x mit aufgeschäumten Himbeeren. Leckerst!

Tag 19 und 20 – Rückreise

Zurück waren es 830 km, die ich mir wie bereits auf der Anreise auf 2 Tage aufgeteilt habe. Ziel des ersten Tages war ein Waldparkplatz Nähe Hannover, den ich über Park4Night ausgemacht hatte. Bereits gegen 16 Uhr nach einem dicken Stau vor Hannover kam ich dort an.
Des Abends kam noch ein  holländisches WoMo und am Morgen entdeckte ich noch ein kleines französisches Auto, dessen Inhaber im Zelt schlief.
Hat die Schulklasse, die sich dort morgens zu einer Exkursion dort traf, aber alles nicht interessiert. Mir war es recht, dass ich aufbruchsfertig war – wurde mir doch etwas lebhaft dort.
Auf der Rückreise bin ich noch nach Dortmund zu PACE von JP Performance und der Halle 77. Fand ich einen gelungenen Abschluss dieser wirklich eindrucksvollen und abwechslungsreichen Polen-Reise.

Credits

gehen ganz klar an Lara und Mark von Lehmann Vlogs mit Ihren tollen Polen Reisevideos auf YouTube und ihrem selbsterstellten Reiseführer samt interaktiver Reisekarte (Google Maps). Deren Informationen waren sehr hilfreich, gut geschildert und haben einiges leichter gemacht.