Rumänien 2018: 16 Tage, 4.453,2 km

Rumänien – ich fühle mich einfach wohl dort. Die Herzlichkeit, Aufgeschlossenheit und Gastfreundschaft der Menschen beeindruckt mich.
Rumänien – wilde und
ursprüngliche Landschaften.
Rumänien – eindrucksvolle Hinterlassenschaften vergangener Herrschaften.

Rumänien aber auch: Immer noch Land der extremen Gegensätze. Gegensätze zwischen Arm und Reich, Land und Stadt. Ich war in Dörfern ohne fließend Wasser – jedes Haus hatte einen eigenen Brunnen mit Handkurbel und Eimer. Gegensätze zwischen dem Verkehrsaufkommen in den Städten und auf den Hauptversorgungsstraßen und der Ruhe abseits.

Planung: Autoreisenachtzug Prag-Kosice nur hin und die erste Pension in Rumänien. Aufenthaltsdauer und genaue Route: Unbekannt. Desweiteren „Touring in Romania“ von Carpathian2wheelsguide  samt App, Strecken und POIs.
Navigation: Sony Xperia Z3 Tablet Compact, diesesmal mit Locus Maps anstatt Osmand. Fazit: Locus Maps bleibt! Osmand ist besser bei Stadtbesichtigungen per pedes.
Kurzfazit: Erstens kommt es anders als man denkt und zweitens fügt sich trotzdem alles irgendwie. Und „buna ziua, do you speak english?“ geht fast immer.

Tag 1: Anreise zum Autoreisenachtzug Prag – Kosice. Wie immer von Bonn aus erst nach Bayreuth über Autobahn mit der Transalp im Scudo, Mopped ausladen und dann damit weiter nach Prag. Die Wettervorhersage war äußerst gemischt, aber ich hatte Glück bis ich in Prag ankam. Ich konnte gerade noch im Trockenen Geld ziehen, dann fing es an zu schütten. Da bis zum Einchecken noch genügend Zeit war und bis dahin nur noch Abendessen und Einkaufen anstand und ich gerade vor einem Restaurant stand, fiel die Entscheidung leicht. Nach dem Essen hörte dann auch das Gewitter auf, also zum Supermarkt Frühstück und mittägliche Brotzeit für den nächsten Tag einholen.

Am Autovlak Terminal waren diesesmal zig Motorräder, unter anderem ein ganzer Trupp Chopperfahrer, die nach Poprad in die hohe Tatra wollten. Außer mir wollten noch 4 Tschechen nach Kosice, zweie davon Strassentour zurück nach CZ, die beiden anderen stollenbereift in die Ukraine zum dreckferkeln.

Der Chopperclub machte das wohl zum erstenmal mit dem Autovlak – jedenfalls hatten wir dankbare und aufgeregte Zuschauer beim Verzurren ;) Apropos Verzurren: Eigene Gurte sind hier Pflicht!

Danach ab ins Abteil, den morgigen Fahrtag auf dem Tablet mit Locus Map bearbeiten. Ich hatte mir von Kurviger.de eine Strecke Richtung Oradea berechnen lassen, die einen sehr kleinen mir bislang noch unbekannten Grenzübergang von Ungarn nach Rumänien beinhaltete. Als GPX-Track gespeichert, stand jetzt nur noch das Nachzeichnen als Route in Locus Map an. Damit gibt es dann korrekte Abbiegehinweise anhand der tatsächlichen Kreuzungen und nicht anhand von Kurvenradien, wo der Algorithmus eine Kreuzung vermutet. Das funktioniert zwar auch (hatte ich letztes Jahr mit Osmand in Polen so gehandhabt) aber echte Routen sind sauberer und zudem ist der Routenplaner in Locus Maps meiner Meinung nach 1a.


Tag 2:
Kosice nach Vîrciorog (bei Oradea) – 329 km

Bombenwetter in Kosice, also gutgelaunt aufgebrochen. Kurviger hatte eine wirklich schöne Strecke auch durch Ungarn gefunden, ehe es später denn doch in die unvermeidliche Ebene mit Geradeaus-Strecken ging. Ich war so im Flow, dass ich überhaupt keine Bilder gemacht habe.

Der Flow oder eher der Übermut führte dann leider dazu, dass ich einen in der Route enthaltenen unbefestigten Erdweg wider besseren Wissens ausprobiert habe. Prompt rutschte mir in einer feuchten Ecke das Vorderrad weg, die Transalp lag mitten auf dem Weg und ich knallte auf die Schulter. Tut mir heute noch bei bestimmten Bewegungen weh. Ich hätte mich selbst in den Allerwertesten treten können, sowas von bescheuert! Alleine am ersten Tag mit Strassenreifen auf ne Erdpiste, wirklich nicht. Schotterpiste ist mit Strassenreifen egal bei angepasster Fahrweise, aber das hier war mal echt unnötig.

Dann bekam ich den Bock auch nicht direkt hochgehoben bis ich bemerkte, dass die Kante des umlaufenden Motorschutzes die Hebelwirkung ungünstig beeinflusste und ein Aufheben für mich vereitelte. Also den 17er Schlüssel rausgeholt und ne tiefe Furche entlang der Kante in den Boden gezogen. Danach neuer Versuch – und die Transalp stand wieder! Den Rücken hatte ich mir trotzdem verhoben – der bereitete mir die nächsten Tage denn auch noch viel Freude. Egal, Hauptsache es geht weiter und die Situation ist gerettet.
Schäden am Moped gecheckt: Nix außer die im Gewindeloch abgescherte Halteschraube vom Auspuff. Die einzige Halteschraube wohlgemerkt. Also Kabelbinder rausgeholt und die Lasche damit festgezurrt. Das hält erstmal und irgendeine Werkstatt findet sich sicher unterwegs, die da mal Hand anlegt.

Dass die Transalp und ich ob der feuchten Erde aussahen wie Schwein, muß ich kaum extra erwähnen.

Also mal husch husch zurück auf geteerte Wege und bei Létavértes / Săcueni über die Grenze nach Rumänien. Die Zeit war mittlerweile doch weit fortgeschritten (und Rumänien hat zudem nicht unsere Sommerzeit) und es gab an der Mini-Grenze keine Wechselstube. Also nicht wie geplant in die Berge sondern auf direktem Wege nach Oradea Geld ziehen.

In Oradea dann das erwartete Verkehrschaos und viele viele schwarze Wolken Richtung Berge. Und genau da lag meine vorgebuchte Pension. Ein Fehler – demnächst buche ich echt nur noch den Zug, damit ich vor Ort freier entscheiden kann. Also noch ne gute Dusche abgeholt und dann um 19 Uhr endlich in der Pensiunea Mihaiu Sasului angekommen. Dort wurde ich noch bekocht und umsorgt, bis ich dann recht früh erledigt die Segel gestrichen habe. Die Pension kann ich empfehlen: Sauber, Schwimmbad, neu und gut eingerichtet und freundliche Wirtsleute. Etwas Englisch wird auch gesprochen. Liegt aber doch recht abgelegen.

Tag 3: Vîrciorog nach Deva – 300 km

Nach einem wirklich erstklassigen und reichhaltigen Frühstück bin dann bei gutem klarem Wetter und blauem Himmel aufgebrochen. Ein Teil der Route stammte von Touring Romania und es sollte über kleinste Strassen durch die Berge gehen. Ich hatte gestern schon bemerkt, dass es viel Regen in Rumänien gegeben hatte und die Strassen nicht unbedingt berechenbar sind. Also kein festes Tagesziel vorgeplant – einfach mal schauen, wie weit ich komme.
In den Bergen dann doch ein paar Wolken und traumhafte Motorradstrecken:

Es lief gut heute und es war klar, dass ich die Route komplett schaffe. 50 km vor Deva mußte ich mich entscheiden, ob ich nun in die Pampa nach Ilia oder in die Stadt fahre. Richtung Ilia hingen dicke Wolken, also für Deva entschieden. Hatte eh Lust auf flanieren und Städtchen gucken. Handy raus, mal schauen, was Booking so hergibt. Mir sprang die Casa Negustorului ins Auge – eines von so einigen Schlösschen von Nicolae Ceaușescu, die er sich in den Städten errichten ließ. Das sollte für mich eigentlich gerade gut genug sein 😉
Leider verabschiedete sich mitten im Buchungsvorgang das Netz – also bin ich einfach so hingefahren. Es hatte aber keine klassische Rezeption, sondern man sollte anrufen. Ok – gesagt, getan: „buna ziua, do you speak english?“ Und wie der Hausherr Englisch konnte! Nach 10 Minuten war er vor Ort, nach weiteren 15 Minuten hatte ich meine Suite mit Terasse. Und beim Gepäck-Hochtragen hat er auch noch angepackt. Supernett und hilfsbereit der Mann. Drückte mir sogar noch seine Visitenkarte mit Handy-Nr. in die Hand: Ich solle ruhig anrufen, wenn ich später in der Stadt was wissen wolle.

Die kleine Fußgängerzone war dann gerade mal 3 Gehminuten entfernt und sah recht nett aus mit der Burg oben drüber. Der Rest der Stadt ist aber eher trist, ist halt doch ein Trabantenstädtchen.

Was mich auch erstaunt hat: Es gibt dort nur Pizzerien, keine sonstigen Restaurants. Auch die Fastfood-Buden: Nur Pizza! Klar gibt es in den Pizzerien auch sonstige Gerichte, aber man ist dort eindeutig ausgerichtet. Erinnert mich etwas an Cluj: Dort gibt es in der Fußgängerzone nur Spareribs und Burger. Sowas ist mir bislang nur in Rumänien begegnet.

Ich habe mir dann (natürlich) keine Pizza bestellt, sondern Gegrilltes und habe den schönen Sommerabend in der Stadt genossen.

Nachtrag zu Tag 3: Auf dem Weg nach Deva bin ich wegen der abgescherten Auspuffhalteschraube in ne Bosch-Werkstatt reingeschneit. Wie immer sprach einer Englisch, der Schraubenrest wurde ausgebort, das Gewinde nachgeschnitten und eine neue Schraube spendiert. Die Kabelbinderlösung hatte immerhin 450 km durchgehalten! Gekostet hat der Spass 40 LEI, also ~8 €.

Vor Deva mußte ich über eine 4-spurige Brücke (2 je Fahrtrichtung). Eine Spur geht normalerweise nach links in die Stadt, die andere nach rechts stadtauswärts. Beide führen dann auf eine autobahnartig ausgebaute 4-spurige Strasse. Nach links in die Stadt war aber Baustelle, gesperrt. Die rumänische Lösung: Der komplette Verkehr wird nach rechts geleitet, man nimmt die Mittelleitplanke raus, der entgegenkommende Verkehr kriegt ein Vorfahrt-Achten-Schild hingestellt und dann wird einfach über 4 Spuren gewendet. Auch die LKWs, für die rechts noch Wendeplatz zum Ausscheren geschaffen wurde. Ich habe echt nicht schlecht gekuckt, bis ich kapiert habe, was da vor mir los ist. In Deutschland undenkbar!

Tag 4:

Passend zum Frühstück fing es an zu regnen und zu gewittern. Also Zeit gelassen und irgendwann los. Ich wollte Richtung Caransebes und wenn das Wetter es zuließ, von hinten durch die Berge nach Borlova – Erinnerungen an die Enduromania wachrufen und auch mal schauen, wie die Entwicklung dort weitergegangen ist.

Kaum aus der Stadt raus, sehe ich in Fahrtrichtung schwarze Wolken und kann den Regen schon riechen. Im Rückspiegel alles hell. Kurz überlegt, umgedreht – irgendeine Strecke wird sich schon ergeben. Kaum in Deva angekommen, fängt es auch dort wieder an zu regnen.  Also an ne Tanke um im Trockenen die Regenklamotten anziehen zu können. Aber: Wo ist mein Trinkrucksack? Ähmmm – der steht doch nicht noch etwa an der Unterkunft? Genau da stand er! So hatte der Regen doch noch sein Gutes.

Da es jetzt überall am schütten war, bin ich wieder in die ursprüngliche Richtung gestartet. Hieß aber auch erstmal Hauptrouten (DN68 und DN68a) mit der üblichen LKW-Frequenz. Kolonnenspringen ist sinnlos und gefährlich, da auf beiden Seiten dichter LKW-Verkehr herrscht. Gewinnen kann man hier nur, wenn man sich entspannt in den Windschatten hängt und die unverbesserlichen Drängler durchwinkt.

Am Abzweig Richtung Borlova bin ich kurz in mich gegangen und habe mich gegen den Weg durch die Berge entschieden. Zu stark waren die vergangenen Regenfälle und ich hatte zudem nur noch eine vage Erinnerung an den 2011 noch unbefestigten Abschnitt. Damals mit der Sportenduro war das „Autobahn“, heute mit der Transalp und Strassenreifen nicht einschätzbar.

Komplett runter bis nach Lugoj über die Hauptstrecke wollte ich aber auch nicht – also auf dem Tablet eine Abkürzung rausgesucht (über Fardea). Das war mal echt ein Glücksgriff! Frisch geteert, hügelig, Kurven ohne Ende, null Verkehr. Und die Sonne kam dann auch endlich zum Vorschein! Geil – Regenklamotten aus und Feuer!

Caransebes – Mensch hat sich hier viel getan! Alles top geteert, Supermärkte, neue Häuser… Den Stadtkern habe ich wiedererkannt – aber drumherum war mir vieles fremd.

Ok, also weiter Richtung Brebu Nou / Resita. Wunderschöne Motorradstrecke – aber in sehr vielen Kurven hatte der starke Regen Sand, Kies und teils richtig Erde auf die Strasse gespült. Oben auf dem Berg habe ich dann noch ne Runde mit nem deutschen KTM-Fahrer samt Freundin gequatscht, die am vorigen Tag 1000 km Anreise hingelegt hatten und jetzt einen ruhigen Ort zum Entspannen suchten. Wir wünschten uns noch einen schönen Urlaub und weiter ging´s.

Vor Resita fing es dann endlich mal wieder an zu regnen – eine Unterkunft dort zu finden ersparte ich mir aber in dieser häßlichen Stadt. Selbst auf Booking gibt es dort nix. Leider wurde das Wetter hinter Resita aber immer übler und ich bin in ein starkes Gewitter geraten. In Carasova dann eine Pension! Sofort rechts ran und erst mal untergestellt. Auch Einheimische suchten hier erst mal Zuflucht. Ok – was nun?
„buna ziua, do you speak english?“ – „Nein, aber deutsch“ kam es vom Hausherren zurück, der als Rumäne in Deutschland eine Reinigungsfirma betreibt. Ja, es gibt Zimmer, das Restaurant hat auf und Frühstück hat es auch. BINGO! Erst mal ein Bier genommen bis der Starkregen etwas nachließ, um mein Gepäck reinzuholen. Es gab tatsächlich eine Regenpause von einer halben Stunde – aber danach zogen die Wolken ganz tief runter, es wurde dunkel und gewitterte und schüttete ohne Ende. Zweimal war sogar kurz der Strom weg. Meine Güte, was war ich froh um die Pension…

Mir wurde aber klar, dass das so nicht weitergehen kann. Also die Wetteronline-App runtergeladen, da man mit dieser großflächig einen Überblick bekommt. Eigentlich hatte ich ja vor, auf Empfehlung eines serbischen Arbeitskollegen einen Ausflug in sein Land zum Canyon Sićevačka Klisura zu machen und dann über Bulgarien wieder zurück. Leider leider war dort für morgen und übermorgen nichts außer Regen vermeldet. Richtung Osten in Rumänien, tagestourtechnisch eher die Mitte, sollte es aber ok sein. Wichtig war mir, nicht wieder um 16 Uhr in den Regen zu kommen, sondern mein Tagesziel im Trockenen zu erreichen. Linkes Bild ist der Blick vom Balkon – vielleicht kriegt der ja mal irgendwann ein Geländer?

Tag 5: Carasova – Polovragi

Laut Wetteronline bestand eine Chance, dass es im Raum Craiova / Targo Jiu des nachmittags trocken sein sollte. Bis dahin – die Hoffnung stirbt zuletzt. Also erstmal die obergeniale Bergstrecke rüber nach Baile Herculane und dann weiter über teils etwas rumpelige Strecken nach Targo Jiu. Wetter vormittags: Bombe, Sonnenschein als wäre nix gewesen. Nachmittags zog es sich etwas zu, aber ich kam trocken an.

Targo Jiu – nix wie raus hier! Aber ich sehe Schilder „Transalpina“ – also über Nebenstrecken erst mal dahin. Ist ein gutes Ziel für morgen. Gegen 16 Uhr bin ich in Novaci – das ist quasi der Einstieg in die Transalpina. Das Wetter ist immer noch gut und ich erinnere mich an Tips von „Touring Romania“, dass es zu Fuße dieses Gebirges zwei Sackgassentäler mit Schluchten und Höhlen gibt. Also schau´n wir mal.  Schlucht 1 endet auf einem großen Busparkplatz, das war denn doch nicht so ganz meine Idealvorstellung. Schlucht 2 war Volltreffer mit schönem Blick auf die Mănăstirea Polovragi.

Zudem gab es eine Pension fußläufig zum Kloster, also kurzentschlossen dort in der Einsamkeit eingecheckt. Englisch war diesesmal nicht, aber ein Zimmer organisieren ist ja kein Problem.

Danach habe ich natürlich die Mănăstirea Polovragi besichtigt:

Zurück an der Pension waren doch tatsächlich noch andere Gäste anwesend. Ich hörte eine Frau erst rumänisch mit der Pensionsangestellten reden, dann deutsch mit ihrem Mann. Natürlich sofort angequatscht und ich hatte meine Übersetzerin für das Abendessen. Die beiden baten mich an ihren Tisch und wir hatten einen netten unterhaltsamen Abend. Nachdem sich die beiden zurückgezogen hatten, hing ich beim letzten Bier noch draussen meinen Gedanken nach, sah den Regen kommen und wieder gehen (Wetteronline hatte Recht) und ließ diesen wirklich schönen Tag nochmal Revue passieren.

Tag 6: Polovragi – Sibiu

Seit gestern habe ich es mir zur Gewohnheit gemacht, nach dem Abendessen Wetteronline aufzurufen und hiernach meine nächste Tagestour mit Locus Map auf dem Tablet zu planen. Morgens nach dem Frühstück nochmal Wetterkontrolle, ggfs. umplanen und los.
Für heute hieß es, dass es um 11 Uhr oben in den Bergen gewittern sollte. Von 2016 wußte ich aber, dass ich es problemlos in 2h über die Transalpina bis Brezoi schaffe. Also auf die Besichtigung der Höhle verzichtet und um 9 Uhr Abflug. Ich hatte kein gutes Gefühl, als ich die tiefhängenden Wolken sah – nun denn, mal los. So passierte ich die Transalpina auf nasser Fahrbahn, teils im Nebel und wenig Ausblick. Zum Glück hatte ich 2016 hier wunderschönes Wetter, sonst hätte ich mich geärgert. Ohne Regen ging es weiter talwärts Richtung Brezoi. Ein neugebauter Supermarkt an der Strecke bot sich an, meinen Vorrat an Wurst, Brot und Wasser aufzufüllen. Komme ich aus dem Laden raus: Platzregen! Erst mal den am Lenker baumelnden Helm gerettet ehe der vollläuft und unter dem Vordach vom Supermarkt abgewartet. Nach 10 Minuten war der Spuk vorbei, Abfahrt. Nach weiteren 10 Minuten fing es wieder an zu regnen, also doch Regenklamotten an. Nach weiteren 10 Minuten hörte es auf, also Regenklamotten wieder aus.  Ich muß nicht erwähnen, dass ich „leicht“ genervt war?

Nun denn – die Karte hatte eine kleine Querverbindung hinter Brezoi rüber zur Transfagarasan aufgewiesen. Die wollte ich probieren. Erst geteert, auch Hinweisschilder, dann unbefestigt. Ok, damit kann ich leben, solange es halbwegs geschottert ist, hat auch ein Strassenreifen Grip. Gute 5 km weiter wurde die Piste dann aber zu einem üblen Feldweg, der auch für Pferdefuhrwerke unpassierbar gewesen wäre. Mit der Sportenduro gerne, mit der Transalp eher nicht. Also den ganzen Bettel zurück, ein ruhiges Plätzchen gesucht um den weiteren Tagesverlauf zu planen.

Ich merkte aber auch, dass mir dieses ganze Hickhack mit dem Wetter, nicht befahrbaren Wegen, kaum Sicherheit beim Planen so langsam aber sicher etwas auf den Nerv ging. Ein paar Tage am gleichen Ort wären jetzt nicht schlecht. Sighișoara stand ganz oben auf meiner Liste der noch zu
besuchenden Städte, war aber für heute unerreichbar. Also erstmal in die Richtung bewegen, ergo über Booking die Pensiunea Daniel in Sibiu klargemacht. Eine gute Wahl: Klasse Zimmer, gutes Frühstück, Motorrad im abgeschlossenen Innenhof und wenige Gehminuten in die Altstadt. Dort erstmal lecker zu Abend gegessen, Erinnerungen an 2016 wach werden lassen und als ich dann in der Pension war, durfte es auch wieder anfangen zu regnen. Mittlerweile hatte ein weiterer deutscher Motorradfahrer eingecheckt, also mit dem noch ne Runde geschnackt.

Danach noch Planung für die nächsten Tage und über Booking 3 Nächte in Sighișoara im Panorama Guesthouse gebucht. Ein paar ruhigere Tage in schöner Umgebung sollten mir guttun!

Tag 7: Sibiu – Sighișoara, 171 km

Über die Schnellstrasse DN14 sind es nur 90 km – aber ich will ja was sehen vom Land! Also wieder Nebenstrecken und die Besichtigung der Kirchenburg in Cincu geplant. Schön hügelig ist es hinter Sibiu, saftiges Grün, Sonnenschein und viele Kurven. In Săsăuş geht es links ab Richtung Cincu und ich lande mal wieder auf einem Schotterweg. Meine Güte, ich bin vielleicht 60 km von Sibiu weg, wo es wirklich alles hat und hier ist allertiefstes Hinterland. Ich komme durch allerkleinste Dörfer, habe irgendwann wieder so etwas wie Teer unter den Rädern und passiere eine erste Kirchenburg.

Cincu liegt in einem wunderschönen Tal und die Kirchenburg ist nicht zu verfehlen. Ich rolle langsam bis vor das Außentor und stelle den Motor ab. Eine junge Rumänin kommt mit ihrem Sohn auf mich zu. Monasteria verstehe ich und nicke, gebe ihr aber zu verstehen, dass ich kein Rumänisch kann. Dieses mal werde ich gefragt: „Do you speak english?“ Die junge Frau spricht sehr gut englisch und ich kriege quasi eine Privatführung. Horsti, ihr Sohn, tollt derweil in der Kirche rum und kostet sie sichtbar Nerven. 3 Monate Schulferien haben die in Rumänien! Ich kriege echt jede Ecke der Kirche gezeigt, darf den Kirchtum besteigen (in D wäre der wegen Absturzgefahr gesperrt) und auch die kleine Museumsmeile wird mir erklärt.

Ich glaube, ich war fast ne Stunde in der Kirche, auch weil wir uns noch über alle möglichen Dinge unterhalten haben. Irgendwann mußte die junge Frau aber los das Mittagessen für die Familie richten. Da ich keine kleinen rumänischen Scheine mehr hatte (10 Lei wäre der Eintritt gewesen), tat ich 5 € in die Sammelbox und fragte meine Fremdenführerin, ob auch sie Geld annehmen würde. Sie bekam dann auch 5 € von mir. Anschließend durfte ich noch am Steintisch vor der Kirche unter schattenspendenden Bäumen meine Mittagsvesper einlegen. Das war mal ein richtig klasse Erlebnis!

Achja, zwischendurch bimmelte noch mein Handy: Meine Pensionswirtin vom Panorama Guesthouse in Sighișoara wollte wissen wann ich denn komme – auf deutsch. Sie wären auf eine Hochzeit eingeladen, aber die Mutter wäre im Haus und würde warten. Ich solle sie dann anrufen und sie wäre in 5 Minuten da um mir alles zu zeigen. Sie war hörbar verlegen und ich versuchte sie etwas zu beruhigen. Ich war baff, wie bemüht und überaus freundlich ich hier empfangen wurde.

Trotz etwas Sucherei bin ich denn doch noch rechtzeitig für einen persönlichen Empfang durch die Pensionswirtin in Sighișoara angekommen. Sie war erleichtert ihen Gast begrüßen zu können und hatte eine Sorge weniger für Ihren Abend. Das Panorama Guesthouse kann ich absolut weiterempfehlen, mit viel Liebe eingerichtet, super saubere Zimmer und auf Anfrage gibt es auch ein tolles Frühstück mit selbstgemachten Spezialitäten. Das alles gepaart mit einer Herzlichkeit der Gastgeberin – einmalig.

Seinen Namen trägt das Panorama Guesthouse übrigens zu Recht, rechts der Blick aus meinem Fenster auf die historische Altstadt.

Bei mir dann erstmal das übliche Programm: Duschen, waschen, einkaufen fahren. Den Berg runter ins Städtchen (zu Fuß nur 7 Minuten) bin ich in kurzer Hose und T-Shirt gefahren. Das muß auch mal sein.  Auf dem Rückweg fiel mir noch ein suchender Motorradfahrer auf einer schwarzen Tiger XC auf, der war aber zu schnell weg, als dass ich ihn hätte ansprechen können.

In der Pension dann helle Aufregung seitens der Großmutter, ein Wortschwall Rumänisch prasselte auf mich hernieder, aus dem ich nur das Wort „Motociclismo“ herausfiltern konnte. Ich dachte schon, ich hätte was verkehrt gemacht, aber dann kam auch schon die Pensionswirtin reingeschneit. Es ging wohl um einen Gast oder auch Gäste (so genau habe ich ihr Deutsch denn noch nicht verstanden) den sie jetzt telefonisch nicht erreicht, der aber schon zweimal angerufen hat. Irgendwie kam dann raus, dass das wohl auch ein Motorradfahrer sei. Da fiel mir der Suchende von vorhin ein. Habe dann meiner Pensionswirtin angeboten, ob ich mal runter ins Städtchen fahren soll schauen. Ich hätte da vorhin jemanden gesehen.

Gesagt getan, die örtlichen Gegegebenheiten machten es auch einfach: Wenn man runter in Stadt kommt, landet man automatisch auf einer kleinen Einkaufsmeile mit Cafes und Geschäften. Und da stand dann auch die Tiger XC – mit CZ-Kennzeichen und noch vier weiteren Moppeds. Die Jungs saßen zusammen und wurden von mir mit „Ahoj – english, deutsch? Panorama Guesthouse?“ begrüßt. Einer sprach etwas deutsch, ein anderer etwas Englisch. Bin dann mit dem ganzen Trupp hoch zur Pension, wo der kleine Hof dann recht schnell mit Motorrädern voll war. Dort gab es dann erstmal als Willkommensgruß ne Runde Schnaps auf´s Haus. Alle waren happy.

Natürlich bin ich mit den Tschechen dann abends in Altstadt was essen und trinken gegangen. Vor allem trinken…

Tag 8: 0 km

Wie gut, dass ich für heute eh nen Ruhetag geplant hatte. Habe mich nach dem Frühstück direkt wieder ins Bett gelegt. Das letzte Bier muß wohl schlecht gewesen sein 😉
Gegen Mittag wieder aufgestanden und mich was auf die Terasse an die frische Luft gesetzt. Prompt werde ich von meiner Wirtin gefragt, ob ich mir ihrer Familie und dem jungen Pfarrer zu Mittag essen möchte. Sie wolle mich einladen. Wow, da sage ich nicht nein und bedanke mich herzlich bei ihr.

Des Nachmittags bin ich dann nochmal alleine die Altstadt erkunden gegangen, habe den Turm, den ihr oben im Bild seht, bestiegen, mir ein Stützbier gegönnt und war noch lecker essen.


Tag 9:
120 km

Bin am späten Vormittag im Regen los, zwei Kirchenburgen in der näheren Umgebung besichtigen. Leider sind die Bilder nicht wirklich was geworden. Falls das Wetter mitspielen sollte wollte ich noch eine kleine Runde über Targu Mures drehen – es hatte zwischenzeitlich etwas aufgeklart. 10 km Richtung Targu Mures gefahren – Himmel schwarz und es roch nach Regen. Also retour. Unterwegs sehe ich ein Hinweisschild „Castelul Bethlen“ – ok, schaue ich mir an.  Das Castelul befindet sich noch im Wiederaufbau wie so einige andere Sehenswürdigkeiten in RO auch. Viel zu sehen gibt es (noch) nicht, aber ich habe zumindest mit meinem Eintrittsgeld einen Beitrag geleistet.

Für heute ist es jetzt gut mit historischem Gemäuer und ich mache mich auf den Rückweg. Morgen ist Abreise und ich will noch einkaufen und die Weiterfahrt planen. Ich muß die gleiche Strecke wieder zurück, da fällt mir eine frisch geteerte Strasse auf, die rechts abgeht. In der Karte gecheckt – ok, die geht ins Nachbartal. Nehme ich halt diesen Weg, der führt auch nach Hause. Im Nachbartal angekommen, ist die frisch geteerte Strasse zu Ende und mich erwarten 8 km Schotter- und Rüttelpiste. He – so war das nicht geplant 😉

Zurück in der Pension ein paar Sachen sortieren, zu Fuß runter in Stadt etwas essen und einkaufen. Im Supermarkt treffe ich meine Wirtin, die mir bedeutet, ich solle warten. Taxi! Wir fahren los und ich verstehe sie so, dass sie noch etwas erledigen muß. Weit gefehlt – sie fährt mit mir ans gegegenüberliegende Ende der Stadt auf einen Berg, um mir diesen genialen Ausblick auf ihre Stadt zu zeigen:

Ich bin total begeistert von ihrer Gastfreundschaft und dieser genialen Spontan-Aktion und bedanke mich ganz herzlich bei ihr.
Wie gesagt: Wenn ihr mal nach Sigishoara kommen solltet: Panorama Guesthouse!

Cetatea Rupea

Die restlichen Tage waren leider geprägt von permanenter Regenflucht mit der sich abzeichnenden Erkenntnis, dass mir das so keinen Spass mehr macht und ich den Urlaub abbreche. Da kurzfristig kein Autoreisezug zu buchen war, bin ich mit dem Motorrad von Rumänien über Ungarn, Slowakei und Tschechien nach Bayreuth zu meinem Scudo zurückgefahren. Die erste und längste Tagesetappe ging über 601 km und 11 Stunden. Nur Landstrasse, dank Kurviger. Ab Sigishoara kamen inklusive Rückfahrt noch 7 Tage zusammen.

Fazit: Die Menschen, das Land, das Erlebte war mal wieder einzigartig. Das schlechte Wetter aber leider auch. So blicke ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurück.